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9.28.2005

Konsumhaltung

Gerade denke ich darüber nach, wie Konsumhaltung von Menschen in Gemeinden entsteht. Aus vielen Ecken vernimmt man den Ruf von Verantwortlichen, dass die Menschen in ihrer Gemeinde sich nicht einsetzen. Sicherlich bedeutet das, dass sie sich nicht in der Weise einsetzten, wie es erwartet wird. Trotzdem ist eine gewisse Konsumhaltung fest zu stellen.

Als jemand, der das Priestertum aller Gläubigen vertritt und sehr viel Wert darauf legt, dass jeder sich in die Entwicklung und Prägung einer Gemeinde einbringen kann, frage ich mich gerade - wie gesagt - woher die Konsumhaltung kommt.

Könnte es sein, dass die Konsumhaltung nur ein Ausdruck dessen ist, dass vieles einfach fertig präsentiert wird und wirkliche Mitsprache und MItgestaltung gar nicht möglich sind?

Oder resultiert die Konsumhaltung aus einer enormen Belastung im Alltag durch Schule, Studium und Beruf?

Oder ist die Konsumhaltung nur ein Ausdruck von Desinteresse und eben Grund in sich selbst?

Freue mich auf deine Gedanken.

9 Comments:

At 7:44 PM, Anonymous Martin said...

Interessante Fragen, die Du stellst, Daniel... Wirklich.
Bei mir ist es schon vorgekommen, dass ich eine solche Haltung eingenommen habe, wenn mir mein Privatleben sehr zugesetzt hat und ich mich nicht in der Lage fühlte irgendetwas produktives aus mir rauszuholen. Das hat dann mein manchmal hervortretendes Desinteresse ein bisschen unterstützt... Aber es ist gut, sich zu hinterfragen und Dein Post hat dazu beigetragen ... Danke Daniel !

 
At 10:45 PM, Blogger derfriederich said...

Gute Frage Daniel.

Mir fällt dazu spontan ein, dass bei vielen Leuten die Gemeinde nur am Wochenende im Fokus ist und da überall das Wochenende als eine Zeit des Entspannens und des Nichtstun angesehen wird, überträgt sich das automatisch auch auf die Bereitschaft seinen Arsch am Wochenende hoch zu bekommen.

 
At 11:46 PM, Anonymous Daniel S. Haischt said...

Hallo Daniel, wollte ja erst kein Kommentar abgeben, aber als ich die Allegorie 'Den Arsch hoch bekommen' von derfriederich gelesen habe, hab ich's mir anders überlegt ;)

Ich frage mich, ob das Konsumverhalten, dass du ansprichst, wirklich nur auf den Bereich Gemeinde beschränkt ist, oder eben auf die Gemeinschaft aka die Gesellschaft.

Beispiel #1:
Wie bereits erwähnt, beteilige ich mich an der Wikipedia und am Apache Projekt, ein Open Source Projekt der Apache Software Foundation. Das zuletzt genannte Projekt ist vor allem wegen des Web Servers Apache, aber auch wegen diverser anderer Projekte bekannt geworden. Immer wieder begegnen mir Personen, welche die genannte Software (sie ist kostenlos!) gerne benutzen, mir aber frank und frei in’s Gesicht sagen, dass ich doch blöd sein müsse, da ich mich freiwillig und unentgeltlich für so was einsetze. Bei der Wikipedia ist mir genau dasselbe passiert.

Wer so was sagt, kapiert allerdings nicht, dass es die Open Source Software nicht ‚für Lau’ geben würde, würde sich an deren Entwicklung keiner freiwillig betreuen.

Beispiel #2:
Ich habe in der Vergangenheit oft Informatik-Studenten unterrichtet/betreut. Vor allem das Praktikum habe ich stets intensiv durch Unterlagen etc. vorbereitet. In den Unterlagen stand dann an schwierigen Stellen ‚Bitte recherchieren Sie den Begriff XYZ auf Google oder schlagen Sie diesen auf der Wikipedia nach’. Leider musste ich feststellen, dass die Mehrzahl der Studenten nicht in der Lage war auf Google/Wikipedia zu recherchieren. Es ist halt doch einfacher, sich alles vorkauen zu lassen.

Deshalb meine These: Gemeinde scheint mir wie Open Source zu sein, wenn sich keiner daran beteiligt funktioniert’s auch nicht. Wobei man trotzdem zugestehen muss, dass ‚sich beteiligen’ bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Zudem setzt man Sich der Gefahr aus, einen Fehler zu machen. Ferner sticht man ja durch ein gewisses Engagement aus der grauen Masse heraus und wird dadurch angreifbarer.

Und ich meine zudem, um deine letzten zwei Fragen zu beantworten, dass das Konsumverhalten bzw. das sich permanent abholen lassen ein umfassendes Problem ist. Schule etc. sind da nur Ausflüchte, die schnell mal aus der Tasche gezogen werden. Ich denke auch, es liegt nicht am Desinteresse. Vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht, das man sich allzu häufig fragt ‚Was bringt mir das?’ bzw. ‚Welchen Mehrwert habe ich davon?’. Fragen die es zu beantworten gilt!

Cheers
Daniel S. Haischt

 
At 9:07 AM, Blogger storch said...

den gedanken von "gemeinde als open-source" finde ich reizvoll. das ist eine sehr passende allegorie. vielleicht leihe ich mir den mal für einen post, ja?

ich glaube immer mehr, dass es einfach verschiedene menschen gibt und eine gruppe eben aus "machern" besteht, die gar nicht die füsse stillhalten können und sich danach sehnen, verantwortung zu übernehmen. die zweite gruppe wären dann konsumenten.
das sehe ich gar nihct negativ. man hat ein gewisses recht zum konsumieren, allerdings stellt es auch eine natürliche grenze des "universalen priestertums" dar.

viele menschen sind halt einfach mit dem, was sie machen (müssen) sehr ausgefüllt. das ist okay.

 
At 10:12 AM, Anonymous Daniel S. Haischt said...

Hallo storch, den Zusammenhang Open Source <-> Gemeinde habe ich mir schon als Patent eintragen lassen ;)

Just kidding, natürlich kannst du dir den Gedanken ausleihen.

Cheers
Daniel S. Haischt

 
At 11:38 AM, Blogger depone said...

Danke erst mal für die Kommentare so weit. Vielleicht müsste man noch grundsätzlicher über Konsumverhalten nachdenken - was überhaupt Konsum bedeutet und wie das ist mit den unterschiedlichen Typen und dem unterschiedlichen Einsatz.

Mit dem Patent auf Open Source und Gemeinde würde es wahrscheinlich auch schwierig, da es ja nicht das erste Mal ist, dass es so verwendet wird :]

 
At 11:45 AM, Anonymous Joachim S. Müller said...

Es spielen vermutlich ganz viele Ursachen gemeinsam mit, bei jedem einzelnen mit unterschiedlicher Gewichtung.

Eins ist natürlich ein gesellschaftstypisches, diese Konsumhaltung. Wir haben kontinurierlich verlernt und auch von den Dienstleistern, Herstellern und Händlern aberzogen bekommen, uns einzumischen, eine eigene Meinung zu einem Produkt oder einem Vorgang zu haben, etwas verändern zu wollen. Wer das doch tut, ist nur ein nerviger Nörgler, den keiner mag.

Die allgemeine Belastung durch den Alltag, vor allem die psychische, enstehend durch Angst vor Arbeitsplatzverlust und Co., das ewige Fehlen von Zeit, tut ganz sicher seinen Teil.

Tatsächliches Desinteresse - ich denke nicht. Eher eine Art von Schüchternheit. "Es hat mich keiner gefragt, dann mach ich auch nichts." Man traut sich nicht, anderen etwas anzubieten, sich zu zeigen und damit sich eben auch angreifbar, verwundbar zu machen, wie hier schon gesagt.


Ein weiterer Grund ist "Ein anderer kann das viel besser als ich!".
Wer will schon in einer Gemeinde das Klavier spielen, wenn er gerade mal bisschen was gelernt hat, wenn es der andere, der das macht, doch viel besser kann? Und wir wollen ja auch nur das beste für den Herrn geben und Gäste nicht durch schlechteres Klavierspiel abschrecken...
Ich denke da tut auch eine oft mit hoher Professionalität betriebene Gemeindeführung ihren Teil mit. Klar ist das gut, aber es legt auch die Latte für Mitarbeit sehr hoch.

Noch ein von mir beobachteter Grund ist, daß man glaubet, Gott habe einen für etwas ganz besonderes berufen, und man müßten sich nur darauf vorbereiten und gar nichts anderes tun.

Manche, die schon viel mitgeschuftet haben, und eben diese Konsumhaltng anderer sehen, lehnen sich auch oft irgendwann zurück und sagen sich: "Jetzt dürfen die anderen auch erst mal was machen, ich mach jetzt nichts mehr." So verschlimmert sich natürlich dann auch die gesamte Situation selbst.

Nichts davon wird wohl alleine der signifikante Grund sein, es spielt ja bei jeder persönlichen Entscheidung immer ganz viel mit.

 
At 11:54 AM, Blogger depone said...

Ja, cool. Denke auch, dass es sich - wie bei allem eigentlich - um ein Zusammenspiel von vielen unterschiedlichen Elementen handelt, die zu einem Ergebnis, einer Entscheidung und in diesem Fall eben der Konsumhaltung führen.

 
At 12:30 PM, Anonymous Martin said...

Was meineserachtens noch in die ganzen Sachen mitreinspielt ist unser Denken von Gemeinde und Mitarbeit... Viele Menschen haben in Gemeinden, die 200 Leute jeden Sonntach in den Stühlen sitzen sehen, gelernt, dass man ein geistlicher Obelix sein muss, um überhaupt ein Wort im Gottesdienst sagen darf. Dementsprechend sitzt man dann hinterm Mischpult, und das auch nur neben dem Mischbeauftragten...Man darf sichs mal anschaun.
Ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit der manchmal neuen Möglichket überfordert sind, sich an einer Gemeinde zu beteiligen, weil sie gewohnt sind, dass dies die "von Gott Auserwählten" tun und diese Haltung beibehalten, weil sei das gewohnt sind.
Und selbst das von vorne gesprochene Angebot wird wie überhört, weil diese Strukturen einfach lange Zeit imprägniert wurden...

Zusätzlich muss ich mich selbst hinterfragen, was ich darunter verstehe, am Gemeindeleben teilzunehmen..
Teilnahme wird doch meistens darunter verstanden, etwas in einem Gottesdienst zu präsentieren... und das ist es ja durchaus nicht alleine...

Verzeiht mein durcheinandergewurschdl, mir ging die Dsikussion net aussm Kopf, dabei bin ich grad am Reno4n.

 

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